Es gab eine Zeit, in der jeder Tag schwer war. Eine Zeit, in der das Aufstehen mehr Kraft kostete, als ich zu besitzen glaubte. Und doch tat ich es – nicht, weil ich stark war, sondern weil meine Pferde mich brauchten. Und dieses Gebraucht zu werden hat mich getragen.

Sie zwangen mich ins Leben zurück.

An Tagen, an denen ich mich am liebsten verkriechen wollte…
an denen das Bett der einzig sichere Ort schien…
an denen mein Kopf laut und mein Herz leise war…

…standen sie dort. Hungrig. Wartend. Voll stiller Selbstverständlichkeit.

Ich MUSSTE aufstehen, egal wie schlecht es mir ging.
Nicht aus Disziplin, sondern aus Verantwortung.
Meine Pferde konnten sich nicht um sich selbst kümmern – und so kümmerten sie sich um mich, ohne es zu wissen.

»Pferde können keine Gedanken lesen, aber Gedanken spüren.«
– Ayline Schmidt

Ohne sie hätte ich vielleicht aufgegeben. Es wäre so leicht gewesen.
Mit ihnen musste ich raus an die frische Luft, musste atmen, musste fühlen, musste existieren.
Sie haben mich daran erinnert, dass es ein Leben außerhalb meiner Gedanken gab.
Eines mit Wind, Erde, Atem und Rhythmus.

Bei ihnen war ich frei von Bewertungen.

Pferde fragen nicht, ob du »funktionierst«.
Sie beurteilen nicht, ob du traurig, zerbrechlich oder erschöpft bist.
Ihnen ist es vollkommen egal, welche Kleidung du trägst, wie du aussiehst oder was du im Leben »erreicht« hast.

In ihrer Gegenwart durfte ich einfach sein.
Nicht perfekt.
Nicht stark.
Nur ich.

Diese bedingungslose Akzeptanz hatte ich bei den Menschen vergeblich gesucht.

Pferde hören deinen Herzschlag aus drei Metern Entfernung. Sie spüren, wenn dein Atem stockt, wenn deine Gedanken rasen, wenn deine Brust eng wird.
Sie kennen dein Inneres, bevor du es selbst aussprichst.
Und sie zeigen es dir – sanft, aber unmissverständlich.

Wurde ich unruhig, wurden sie es auch.
Wurde ich weich, öffneten sie sich.
Fand ich meine Mitte, folgten sie mir mit einer Selbstverständlichkeit, die mich jedes Mal auf Neue verblüffte.

Durch sie lernte ich, mich selbst zu fühlen.
Mich ernst zu nehmen.
Mich zu beruhigen, statt zu übergehen.

Sie sind nicht mein »Hobby«. Sie sind meine Brücke.

Meine Pferde sind mehr als Gefährten.
Sie sind mein Anker.
Meine Lehrer.
Mein Spiegel.

Und vor allem waren sie der Grund, warum ich weitermachte, als alles in mir aufgeben wollte.

Sie führten mich zurück ins Leben.
Zwischen warmen Nüstern, weichem Fell und dem Klang ihrer Hufe fand ich etwas wieder, das ich verloren glaubte.

Mich selbst.


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