Ich habe noch kein Buch veröffentlicht.
Meine Geschichten stehen in keinem Regal.
Niemand wartet auf sie.
Und trotzdem schreibe ich.
Nicht, weil ich sicher bin, dass sie gelesen werden.
Sondern weil sie geschrieben werden wollen.
Schreiben ohne Publikum
Es gibt eine besondere Stille, wenn man schreibt, ohne gesehen zu werden.
Keine Erwartungen.
Kein Markt.
Kein Applaus.
Nur das leise Wissen:
Diese Geschichte lässt mich nicht los.
Mein erstes Buch ist fast fertig.
Das zweite wächst langsamer, tastender, noch ohne klare Konturen.
Beide existieren in einem Raum, den kaum jemand kennt.
Und vielleicht ist genau das der ehrlichste Ort für Geschichten.
Warum diese Geschichten trotzdem entstehen
Ich schreibe nicht, weil ich etwas erklären will.
Ich schreibe, weil etwas in mir spricht.
Meine Texte drehen sich um innere Brüche.
Um Menschen, die sich anpassen, um dazuzugehören.
Um Beziehungen, in denen man sich selbst verliert – und manchmal wiederfindet.
Diese Themen habe ich mir nicht ausgesucht.
Sie haben mich gefunden.
Schreiben ist für mich kein Entwurf für ein fertiges Leben.
Es ist ein Raum, in dem Fragen stehen dürfen, ohne beantwortet zu werden.
Geschichten, die noch niemand beurteilt
Es gibt eine große Freiheit darin, unbekannt zu sein.
Niemand erwartet ein Genre.
Niemand fordert eine Haltung.
Niemand sagt, was „funktioniert“.
Ich kann schreiben, wie es sich wahr anfühlt –
nicht, wie es sich verkaufen ließe.
Meine Figuren dürfen widersprüchlich sein.
Sie dürfen scheitern, zweifeln, schweigen.
Sie müssen nichts repräsentieren.
Vielleicht schreibe ich gerade deshalb so ehrlich.
Weil noch niemand zusieht.
Warum es weh tun darf – auch ohne Leser
Manchmal frage ich mich,
ob es sinnvoll ist,
so viel Tiefe in Geschichten zu legen,
die vielleicht nie jemand lesen wird.
Und dann merke ich:
Die Frage ist falsch.
Diese Geschichten sind nicht entstanden, um sinnvoll zu sein.
Sie sind entstanden, weil sie wahr sind.
Schreiben darf weh tun.
Nicht aus Dramatik –
sondern weil Verdrängung anstrengender ist als Ehrlichkeit.
Trösten, ohne zu versprechen
Ich schreibe keine Bücher, die retten wollen.
Und keine, die sagen: Alles wird gut.
Wenn meine Geschichten trösten,
dann, weil sie nichts beschönigen.
Weil sie sagen:
So fühlt sich das an.
So kann es aussehen, wenn man sich verliert.
So leise kann ein Wendepunkt sein.
Vielleicht liegt Trost genau darin:
Dass jemand etwas ausspricht,
das man selbst lange nicht benennen konnte.
Warum ich weiterschreibe, obwohl niemand wartet
Ich schreibe, obwohl niemand auf das Ergebnis wartet.
Oder gerade deshalb.
Weil Schreiben für mich kein Ziel ist,
sondern eine Haltung.
Ein Dranbleiben.
Ein Nicht-Wegschauen.
Ein Ernstnehmen dessen, was in mir auftaucht.
Vielleicht werden diese Bücher irgendwann gelesen.
Vielleicht auch nicht.
Aber sie verändern mich beim Schreiben.
Und das reicht, um weiterzumachen.
Ein sanfter Ausblick
Ich weiß nicht,
wann diese Geschichten bereit sind, hinauszugehen.
Oder was mit ihnen geschieht, wenn sie es tun.
Im Moment dürfen sie wachsen,
ohne sich erklären zu müssen.
Ohne bewertet zu werden.
Ohne schon eine Aufgabe zu erfüllen.
Ich erlaube mir, langsam zu sein.
Nicht aus Unsicherheit,
sondern aus Respekt vor dem, was entsteht.
Vielleicht werden diese Bücher irgendwann gelesen.
Vielleicht leise weitergereicht.
Vielleicht bleiben sie lange nur bei mir.
Bis dahin schreibe ich weiter.
Nicht, weil ich weiß, wohin es führt.
Sondern weil es sich richtig anfühlt,
hier zu bleiben –
bei den Worten,
bei den Geschichten,
bei mir.


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